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Fortsetzung 11

Verzweifelt ließ ich mich auf den Boden fallen, direkt auf den staubigen Weg. Eine Windbö fuhr durch mein Haar und schien alles Gute weit, weit fort von mir zu pusten. Durch meinen tränenverschleierten Blick, bemerkte ich wie sich die hohen Grashalme und Getreideähren unter der Kraft des Windes kurz bogen, dann schien sogar dieser vor mir Reißaus zu nehmen. Plötzlich fühlte ich mich leer, einfach wie leergefegt. Ich hatte mit einer tiefen Trauer gerechnet, mit dem sofort aufwallenden Schmerz des Alleinseins, mit einem heftigen Einbruch von Einsamkeit, doch stattdessen fühlte ich nichts. Konnte es sein, dass ein Mensch nichts fühlte? Nichts außer einer Taubheit und gähnender Leere?

Erst jetzt stellte ich fest, dass auch meine Tränen versiegt waren, und so saß ich zusammengesunken dort und starrte stumm ins Leere.

Irgendwann, ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, vernahm ich Schritte aus der Richtung, aus der ich gekommen war, doch ich wandte nicht den Kopf. Ich hockte nur weiter mitten auf dem Weg und dachte an nichts, und auch als die Schritte näher und näher kamen und schließlich jemand hinter mir zum Stehen kam, rührte ich keinen Muskel. Eine Hand legte sich auf meine Schulter, doch ich spürte sie nicht. Ich spürte nur, dass sie nicht der einzigen Person gehörte, die es wert gewesen wäre, sich nach ihr umzudrehen, der einzigen Person, der ich vertraute und die ich bei mir haben wollte. Doch nein, es war nicht seine. 

Ein Junge beugte sich zu mir herab, ich erkannte, dass es sich um den "netten Kerl" von vorhin handelte, doch konnte ich nicht reagieren. Ich starrte nur weiter regungslos in die Ferne.

" Ist alles in Ordnung, Linn? Ist etwas passiert?"

Seine warme, doch zugleich geheimnisvoll klingende Stimme drang zwar zu mir durch, doch ich antwortete nicht. Er erkundigte sich nocheinmal, doch meine Reaktion blieb die gleiche. Er schüttelte mich sacht, doch die Bewegung erreichte mich nicht.

Plötzlich fischte er ein wunderschönes Amulett aus seiner Tasche. Es was ein goldener Stein, rund, an einer silbernen Kette. Vorsichtig griff der Junge nach meiner Hand und legte behutsam das Amulett hinein.

"Hier Linn, nimm dies. Sofia meinte, es gehöre dir und du hättest es in ihrem Haus vergessen."

Ich blinzelte. Ich hatte dieses Schmuckstück noch nie zuvor gesehen. 

Für gewöhnlich hätte dieser Vorfall mein Misstrauen erweckt, doch in diesem Moment, konnte ich an nichts denken.

 

29.12.10 00:18, kommentieren

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Fortsetzung 10

Wir wanderten noch immer ohne konkretes Ziel umher, jedoch war heute die Stimmung wesentlich gespannter als am Tag zuvor. Joe war den ganzen Weg über schlecht gelaunt, schimpfte und fluchte, doch davon bekam ich kaum weiteres mit, da meine Gedanken nicht von dem gutaussehenden Jungen loskamen. Wer war er? Hatte er mich tatsächlich angelächelt? Und warum hatte er dies getan? Mein Blick wanderte zu Joe.

"Was glaubst du Joe, wer war dieser Junge vorhin? Er sah...", ich brach verlegen ab "Er sah sehr nett aus oder nicht?"

Joe stieß einen verächtlichen Ton aus " Klar, sehr nett, wirklich. Was soll schon mit ihm sein, du kennst ihn nicht, woher weißt du, dass er nett ist?"

Er war stehen geblieben und schaute verärgert drein.

Ich schüttelte verwirrt den Kopf. Was hatte er denn? " Sag mal, was ist denn los mit dir? Den ganzen Tag schon meckerst du ohne Pause!"

Ich sah wie mein bester Freund wütend zu mir herum fuhr und mich verärgert anfunkelte. "Vielleicht könnte ich mir schöneres vorstellen, als ohne jegliches Ziel herumzuirren!" knurrte er.

Das tat weh. Tränen stiegen mir in die Augen, doch ich blinzelte sie fort. "Ich habe dich nicht gezwungen mit mir zu kommen, Joe. Ich habe dir von Anfang an gesagt, ich möchte dich hier nicht mitreinziehen. Und vielleicht wäre es auch besser gewesen ich hätte mich allein auf den Weg gemacht!" ,schrie ich verzweifelt, ohne es auch nur annähernd so zu meinen. Schließlich war er mein ein und alles, ich hatte doch nur ihn, und wollte das wichtigste in meinem Leben keineswegs verlieren, und natürlich war ich überglücklich das er mich begleitete. Doch es war zu spät. Die Worte standen nun im Raum, und ich spürte wie sie einen Keil zwischen uns trieben.

" Wie du willst, wenn du mich nicht bei dir haben möchtest, mich nicht brauchst, dann verschwinde ich. Geh doch zu diesem netten Kerl!" fauchte er, machte kehrt und lief davon. Nun konnte ich die Tränen nicht mehr länger zurückhalten, ich spürte wie sie meine Wangen hinunterliefen und auf den Boden tropften, und mit ihnen fiel all meine Hoffnung von mir ab. Als ich ein ersticktes " Nein Joe, bitte...nein..." herausbrachte, war er schon um die Kurve gebogen. Er war fort. Ohne mich. Ich war allein.

 

27.12.10 13:37, kommentieren

Fortsetzung 9

Am nächsten Morgen weckte mich Joes warme und fröhliche Stimme. Er erzählte mir, dass Sofia und ihr Mann bereits zur Arbeit aufgebrochen waren, uns aber ein Frühstück in der Küche erwartete. Zwar zuckte ich bei dem Wort "Küche" in Erinnerung an die Geschehnisse der gestrige Nacht zusammen, doch mein, nach Essen schreiender, Magen trieb mich dennoch an den Frühstückstisch.

Danach, packten wir gestärkt unsere Sachen und verließen das kleine Haus. Als wir über den Hof den engen Weg, auf dem wir gekommen waren, anstrebten,bemerkte ich einen Jungen, etwas älter als ich, einen Haufen Holzscheite um das Haus tragen. Er war durchaus muskullös, hatte, soweit ich erkennen konnte, große schwarze Augen und seine beinahe schulterlangen, blonden Haare betonten seine breiten Schultern. Aus irgendeinem Grund gelang es mir kaum, den Blick von ihm abzuwenden und so bemerkte ich auch nicht, dass ich stehengeblieben war. Auf einmal drehte sich der junge Mann um und als er mich wahrnahm, schenkte er mir ein kurzes Lächeln, das mir eine Gänsehaut am ganzen Körper entlockte, ehe er sich wieder seiner Arbeit zuwandte. Offensichtlich hatte Joes es ebenfalls mitbekommen, jedenfalls zog er mich mit finsterer Miene weiter. Was hatte er denn bloß aufeinmal?Und wer war dieser Junge? Plötzlich spürte ich eine Art Kribbeln im ganzen Körper. Irgendetwas war da zwischen dem unbekannten und mir, irgendetwas schien uns zu verbinden, doch was war es? Oder bildete ich mir das nur ein?

20.12.10 13:06, kommentieren

Fortsetzung 8

Joe erbot sich auf dem Boden zu schlafen, damit ich mich im Bett ausruhen konnte. Doch dazu kam es nicht, denn die ganze Nacht, so schien mir, tat ich kein Auge zu. Viel zu sehr hatten mich die Ereignisse der letzten Zeit aufgewühlt und so lag lang still im Bett, dachte nach, ohne damit etwas zu erreichen.

Als ich die endlose Stille und Dunkelheit nicht mehr auszuhalten vermochte, schlug ich die Decke zurück und schlüpfte leise aus dem Bett. Mit einem raschen Blick vergewisserte ich mich, das Joe noch schlief und schlich dann geräuschlos zur Tür, die ich mit einem leisen Knarren öffnete. 

Ein leichter Luftzug wehte mir aus dem dunklen Gang entgegen. Verwundert trat ich aus dem Zimmer. Woher war er gekommen?

Das grünliche Licht, das unter der Tür am Ende des Flures hindurch schien, schürte mein Misstrauen noch und ließ mir zugleich einen Schauer über den Rücken laufen.Was war das für ein Licht? Was ging hier vor sich? 

Mit pochendem Herzen näherte ich mich der Tür, bereit herauszufinden, was sich dahinter verbarg.

Noch ein Schritt trennte mich von der Tür. Langsam näherte sich meine Hand der eisernen Klinke. Sie fühlte sich kühl und schwer an. Der grünliche Schein kroch noch immer bedrohlich und ausladend unter der Tür hervor. Ich atmete ein letztes Mal tief durch, schloss für einen kurzen Augenblick die Augen. Im nächsten Moment riss ich die Tür auf und trat entschlossen hindurch.

"Linn, du bist noch wach? Nun, was kann ich für dich tun? Hast du noch Hunger?"

Ich blickte in Sofias aufgeweckten, grauen Augen. Verwirrt schaute ich mich um. Offensichtlich befand ich mich in der Küche. Mein Blick wanderte über den kleinen Tisch, der Spüle und dem Ofen, die sich in dem kleinen Raum aneinander pressten, hin zu der alten Frau, die mich noch immer fragend, mit einer Teetasse in der Hand, anblickte. Doch ein grünes Licht oder gar dessen Quelle konnte ich nicht ausmachen.

"Oder möchtest du noch einen Tee, Liebes?"

Verwirrt schüttelte ich den Kopf. 

"Nein...nein danke, ich...ich", stotterte ich, als mein Blick auf eine mit Wasser gefüllte Karaffe fiel.

"Ich wollte nur ein Glas Wasser trinken"

19.11.10 16:25, kommentieren

Fortsetzung 7

Ich stolperte den engen Gang entlang, die Wände schienen sich immer enger zusammenzuziehen, als wollten sie mich erdrücken. Doch als ich die Hände dagegen stemmen versuchte, griff meine Hand ins Leere. Dann stürzte ich in das mir genannte Zimmer und nahm lediglich das dürftige Mobiliar auf den Holzdielen wahr, ehe ich mich auf das einzige Bett fallen ließ. Im nächsten Moment hatte diese seltsame Taubheit erneut von mir Besitz ergriffen, wieder rückte alles in weite Ferne und ich schloss erschöpft die Augen. Plötzlich zuckte zum wiederholten Male dieser grelle Blitz vor meinem inneren Auge. Dann erschien ein endloser Raum, bestehend aus nichts als tausenden und  abertausenden dunklen, eiskalten Kacheln. Ein leicht grünliches Licht ermöglichte mir die Sicht und so blickte ich mich um. Was war das für ein schrecklicher Ort? Eine zusammengekauerte Gestalt, die mit dem Rücken zu mir auf dem Boden hockte, ließ mich zusammenfahren. Wer war dieses Mädchen? Das einzige was ich zu erkennen vermochte waren ihre schulterlangen hellbraunen Haare, die meinen nicht unähnlich waren. Wer war sie? Langsam drehte das Mädchen den Kopf. Gleich würde sie mir ihr Gesicht offenbaren. 

Schwarz.

Ich öffnete die Augen. Sofort warJoe bei meinem Bett und schloss mich in seine Arme.

"Was ist denn nur los mit dir? Warum schreist du denn? Bitte sage mir doch endlich was zum Teufel los ist, Linn.", flüsterte er ruhig.

"Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Ich bekomme es noch nicht einmal mit, wenn ich schreie. Du musst mir glauben. Aber ich habe gerade etwas schreckliches geträumt.", erklärte ich mit dünner Stimme und versuchte die Tränen zu unterdrücken. Als ich mich einigermaßen gefasst hatte, erzählte ich ihm von dem Raum und dem Mädchen darin. Die Blitze und Die Taubheit jedoch verschwieg ich lieber. Er sollte sich nicht noch mehr Sorgen machen oder mich gar für verrückt erklären.

"Okay, das war nur ein Alptraum. Das hat doch nichts zu bedeuten, du brauchst keine Angst zu haben, alles wird gut."

Wenn er doch nur wüsste, wie sehr er sich täuscht, dachte ich in dem Moment, als die Worte seine Lippen verließen, wenn er doch nur wüsste. So sehr ich ihm auch Recht geben wollte, wusste ich doch das es nicht stimmte.

18.10.10 14:02, kommentieren

Fortsetzung 6

Ich verdrängte meine Sorgen und versuchte mich zu entspannen. Doch so herzlich mich diese Fremde auch anlächelte, in mir schrillten die Alarmglocken. Was war bloß mit mir los?
" Ihr Armen! Ihr seht ja ganz erschöpft aus. Hier ist etwas Tee zum Aufwärmen. Ach,wie unhöflich von mir, mein Name ist übrigens Sofia und das eben war mein Mann Edgard.", durchriss ihre warme Stimme die Stille. Sofia stellte die Tassen auf dem Tisch ab und setzte sich mir gegenüber auf einen alten Sessel. Dann hörte ich sie nach unseren Namen fragen. Joe antwortete. Sie lächelte. Nickte. Ihre Lippen bewegten sich erneut, doch ich verstand sie nicht recht, es war als sei ich aus dem Geschehen gerissen worden und würde mich immer weiter entfernen. Ich spürte wie meine Gedanken davonschwammen, wie meine Augenlieder schwerer wurden.Wie Joes und Sofias Stimmen immer mehr in die Ferne rückten. Die Frau sah mir in die Augen. Sie hatte es bemerkt, da war ich mir sicher. Aber sie nickte lediglich kaum merklich und wand sich wieder dem Gespräch zu. Vor meinem inneren Auge zuckte ein  fürchterlich greller Blitz.
Als ich die Augen öffnete spürte ich Joes festen Griff an meinen Schultern. Er schüttelte mich sacht und schaute besorgt drein. Was hatte er bloß? Warum schüttelte er mich? Was zur Hölle war los?
"Hey, Süße! Was hast du denn? Alles ist gut, ganz ruhig.", meinte er und runzelte die Stirn.
"Ja, ich bin doch ruhig, was soll das denn? Lass mich los. Was war denn?", wollte ich verdattert wissen.
Nun war er es, der eine verwirrte Miene aufsetzte.
"Ist das dein Ernst? Du hast plötzlich angefangen zu schreien wie eine Irre und hast dich nicht beruhigen lassen, nicht gesagt was du hast und nichts."
"Ich habe bitte was? Ich kann mich an gar nichts erinnern. Ich glaube ich sollte mich lieber hinlegen", stotterte ich und warf Sofia einen Blick zu. Sie saß gemütlich in ihrem Sessel und trank fröhlich ihren Tee als sei nichts gewesen.
"Den Gang entlang, die zweite Tür links".

3.10.10 18:11, kommentieren

Fortsetzung 5

Desweiteren versuchte Joe mich von meinen düsteren Gedanken abzulenken, mit seinen trockenen Witzen und kleinen Neckerein. Doch es gelang ihm nicht. Ohne es zu wollen, drehten sich meine Gedanken unaufhörlich um meinen Traum und diese seltsamen Wahnvorstellungen, mein Verstand versuchte eine plausible Erklärung zu finden, aber ebenfalls erfolglos. Bald wurde es dunkel und meine Füße schmerzten von unserem langen Marsch. Wir mussten unbedingt einen Platz zum Schlafen finden. "Ich kann nicht mehr und es wird schon dunkel, Joe. Wo wollen wir heute Nacht überhaupt schlafen?" "Ganz ruhig, Kleine. Siehst du dahinten? Da ist ein Haus,ich sehe die Lichter.Da können wir doch fragen,ok?" Ich nickte benommen und gähnte ausgiebig, woraufhin ich ein schelmisches Joe-Lächeln kassierte. Auch ich grinste müde, als er meine Hand ergriff und wir in Richtung des kleinen Gebäudes schlenderten. Und einmal mehr wurde mir bewusst, wie sehr ich an Joe hing, was er mir bedeutete. An der schmalen, hölzernen Tür angelangt, klopfte mein Begleiter. Nichts rührte sich. Er versuchte es nocheinmal. "Verdammt, macht schon auf! Das Licht brennt, ich sehe doch,dass hier jemand ist!" zischte er verärgert und donnerte noch einmal gegen das rissige Holz. Endlich vernahm ich Schritte im Hausinnern und einen Augenblick später wurde die Tür geöffnet. Da sahen wir uns einem kleinen, bejahrten Mann mit einer Brille auf der Nase gegenüber, der uns grimmig aus seinen schmalen Augen entgegenstarrte. "Was wollt ihr denn hier? Macht gefälligst das ihr verschwindet! Wir wollen nichts kaufen!" grollte er mit tiefer,aber dennoch leicht brüchiger Stimme und wollte die Tür zuschlagen,als Joe hastig den Fuß dazwischen schob. "Nein, Sie verstehen nicht. Wir wollen Ihnen nichts verkaufen. Ein Schlafplatz für die Nacht suchen wir, wissen Sie, wir haben gerade einige Probleme....". Ich zögerte. "Einige Probleme daheim und so brauchten wir etwas Abstand.", improvisierte ich. Der Mann musterte mich mit zusammengekniffenden,finster dreinschauenden Augen, bevor er missmutig beiseite trat und uns einließ. "Wer seid ihr beiden eigentlich?" wollte er wissen, als er uns in ein enges,spärlich eingerichtetes Wohnzimmer führte. Ich nannte ihm bereitwillig unsere Namen, woraufhin unser Gastgeber uns bedeutete auf dem staubigen, winzigen Sofa Platz zu nehmen. Dann verschwand er und kurz darauf tauchte eine ebenfalls ältere Dame mit ergrautem Haar und zwei dampfenden Tassen in der Hand auf. Und wieder beschlich mich ein mulmiges Gefühl. Aus irgendeinem Grunde kam mir diese Frau unheimlich bekannt vor.

17.9.10 17:40, kommentieren